Die Selbstenteignung der Verlage

Wie verliere ich als Verlagshaus möglichst schnell an gesellschaftlicher Bedeutung? Das ist eigentlich gar nicht so einfach, zumal die Zeitung- und Zeitschriftenmarken über Jahrzehnte gewachsen und in der Bevölkerung oft fest verankert sind.

Die Regionalzeitung hat eine extrem hohe Glaubwürdigkeit im letzten Winkel des letzten Dorfes, das überregionale Blatt wird noch immer im Fernsehen zitiert und an Flughäfen verteilt. Das ist der vielfach beschworene Qualitätsjournalismus.

Die Presse war früher oftmals unbestechlich und unabhängig. Die Verlage besaßen die komplette Distributionskette. Vom Kopf der Journalisten über das Redaktionssystem in die Rotation aufs Papier, dann auf den LKW zum Zusteller – und schließlich in den Briefkasten des Abonnenten. So war gewährleistet, dass die Presse unabhängig war, denn sie musste auf niemanden Rücksicht nehmen.

Damit ist es wohl bald vorbei. Nachdem die Verlage sehendes Auge ihr Rubrikenanzeigengeschäft und damit eine der Haupterlösquellen ins Internet haben abwandern lassen, verabschieden sie sich jetzt auch noch von der Distributionshoheit über ihre Inhalte. Vertrieb ist nunmal teuer. Mehr…

Hier gibt’s Geld für die Zeitung

Wieder ein groteskes Beispiel für von Verlagen focierte Entwertung des eigenen Produktes: Wer in Berlin zu zweit am 31. August 2013 ohnehin zur „Langen Nacht der Museen“ gehen möchte, der kann jetzt bares Geld sparen. Wie das geht?
Einfach ein 4-wöchiges Abo (endet automatisch) der Berliner Zeitung bestellen, das kostet 28,40 Euro, schon kommen zwei Karten für die „Lange Nacht der Museen“ ins Haus geflattert, die sonst 36 Euro gekostet hätten.
7,60 Euro gespart – oder ist das eine Art Entlohnung dafür, dass man vier Wochen lang den Briefkasten leeren muss?